Informationen zum Thema Impfen

Impfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten Maßnahmen, die der Medizin zur Verfügung stehen. Die in diesem Jahrhundert dramatisch gesunkene Kindersterblichkeit und das damit verbundene Ansteigen der durchschnittlichen Lebenserwartung in den meisten Ländern der Erde sind sicherlich zu einem großen Teil auf die Impfungen zurückzuführen.

Viele Infektionskrankheiten, die noch vor 50 Jahren Angst und Schrecken verbreiteten, spielen dank der Impfungen heute bei uns keine Rolle mehr, wie zum Beispiel Diphterie und Poliomyelitis (infektiöse Kinderlähmung).

Die früher gefürchteten Pocken konnten durch konsequentes Impfen ganz ausgerottet werden. Weitere Erkrankungen, die die WHO, das ist die Weltgesundheitsorganisation, in den nächsten Jahren weltweit ganz beseitigen möchte, sind die Poliomyelitis ("Kinder"lähmung) und die Masern.

Wesentlicher Bestandteil des modernen Lebens sind Reisen. Gerade auf Reisen ist ein ausreichender Impfschutz wichtig. Denken Sie nur an die Malariafälle in der Dominikanischen Republik. Bis April 2000 sind alleine 13 Fälle von Malaria bei Urlaubern in der Dominikanischen Republik gemeldet worden. In zehn Fällen waren deutsche Urlauber betroffen. Deshalb sind Reiseimpfungen sehr wichtig.

Impfpflicht?

In Deutschland gibt es keine Impfpflicht! Impfungen von besonderer Bedeutung werden nach §14 Abs. 3 des Bundes - Seuchengesetzes von den obersten Gesundheitsbehörden der Länder "öffentlich empfohlen".

Diese Empfehlungen werden von der Ständigen Impfkommission am Robert Koch Institut (= STIKO) erarbeitet und laufend aktualisiert.

Welche Impfungen werden von der Krankenkasse bezahlt?

Alle sogenannten "öffentlich empfohlenen Impfungen".

Das sind bei Erwachsenen vor allem die Impfungen gegen Tetanus, Diphterie und Poliomyelitis. Außerdem sogenannte "Indikationsimpfungen". Bei diesen Impfungen muss eine spezielle Indikation vorliegen, damit die Impfung von der Krankenkasse übernommen wird, zum Beispiel das Alter wie bei der Pneumokokken – und Grippeschutz - Impfung (beide ab 60) oder der Hepatitis B - Impfung (nur bis zum vollendeten 18. Lebensjahr). Andere Indikationen sind bestimmte Grunderkrankungen wie gehäufte Lungen- und Bronchialinfekte für die Pneumokokken-Impfung, Nierenversagen mit Dialyse bei der Hepatitis B-Impfung.

Es gibt noch viele weitere Indikationen für bestimmte Personengruppen, so Frauen im gebärfähigen Alter ohne Schutz vor Windpocken für eine Windpocken - Impfung, Angehörige von Erkrankten für die Hepatitis A-Impfung oder der Aufenthalt und/oder Wohnort in Endemie - Gebieten in Deutschland für die FSME-Impfung ("Zecken" - Encephalitis).

Eine weitere große Gruppe von Impfungen sind die sogenannten "Reiseimpfungen". Hierzu werden alle Impfungen gerechnet, die wegen einer Auslandsreise erforderlich sind. Reiseimpfungen in diesem Sinn dürfen nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden.

Diphterie

Erreger Diphtherie - Bakterien
Erkrankung Die Diphtherie - Bakterien werden hauptsächlich mit der Atemluft von Mensch zu Mensch übertragen.
Die Diphtherie - Erkrankung wird, ähnlich wie der Wundstarrkrampf, durch ein Gift hervorgerufen, das von den Diphterie-Bakterien abgesondert wird ("Diphtherietoxin"). Die Diphtherie beginnt meist mit einer schweren Entzündung im Rachenraum, auch am Kehlkopf. Das von den Bakterien abgesonderte Gift führt u.a. zu einer schweren Herzentzündung, einer Leber- und Nierenschädigung und einer massiven Schwellung der Halslymphknoten mit Erstickung.
Die Diphtherie trat bis in die Nachkriegsjahre epidemieartig auf, wegen der hohen Sterblichkeit von etwa 25% wurde sie der "Würgeengel der Kinder" genannt. In letzter Zeit traten vor allem in Russland und anderen GUS - Staaten bis zu 50.000 registrierte Erkrankungen pro Jahr auf. 
Impfung Zu Beginn des Jahrhunderts wurde die Behandlung mit Diphtherie - Heilserum (aus Pferdeserum) durch Emil von Behring eingeführt. Die aktive Impfung mit einem Toxoid - Impfstoff gibt es seit 1934.
Die Diphtherie - Impfung ist wie die Tetanus- und Polio- Impfung eine der  wichtigsten Impfungen und für alle Personen- und Altersgruppen eine "öffentlich empfohlene Impfung". Sie ist gut verträglich und kann mit anderen Impfstoffen kombiniert werden (vor allem mit Tetanus).
Wer soll geimpft werden? Jeder!
Kinder haben sehr hohe Durchimpfungsraten; diese lässt mit zunehmendem  Lebensalter sehr rasch nach.
Nur 10% aller Erwachsenen erhalten eine Auffrischimpfung gegen Diphtherie! Vor allem bei Reisen in die oben genannten Länder muss der Impfschutz aktualisiert werden.
Wie wird geimpft? Eine Grundimmunisierung besteht aus 3 Injektionen, die üblicherweise in den Oberarm intramuskulär gegeben wird. Die ersten beiden Injektionen erfolgen im Abstand von 4  -  6 Wochen, die dritte Injektion wird etwa 6 Monate nach der ersten Injektion durchgeführt. Nach einer erfolgten Grundimmunisierung ist eine Auffrischung alle 10 Jahre erforderlich. Die Diphtherie - Impfung wird sinnvollerweise mit der Tetanus - Impfung kombiniert (sog. Td - Impfstoff für Erwachsene). Auch die Auffrischungen sollten zusammen mit der Tetanus - Impfung erfolgen.

Hepatitia A

Erreger Hepatitis A - Virus (HAV)
Erkrankung Die Viren werden vornehmlich fäkal - oral durch verunreinigte Lebensmittel oder Trinkwasser übertragen.
Bei Reisen in entsprechende Risiko - Länder gilt folgende einfache Ernährungsregel: "Cook it, boil it, peel it or forget it." Risiko - Länder mit hoher Durchseuchung sind z.B. Mittelmeerländer, beliebte Reiseziele in Mittel- und Südamerika, in Asien sowie in Afrika.
Die Hepatitis zeigt oft einen langwierigen Krankheitsverlauf, chronische Fälle und Anhalten der Hepatitis A - Infektion wie bei der Hepatitis B wurden bisher nicht beobachtet.
Impfung Die Impfung ist sehr gut verträglich.
Wann soll geimpft werden? bei Reisen in ein sogenanntes Endemiegebiet bei Erkrankung einer im gleichen Haushalt lebenden Person
Wie wird geimpft? Die Grundimmunisierung besteht aus 2 Injektionen im Abstand von etwa 6 Monaten. Eine Auffrischung sollte nach etwa 10 Jahren erwogen werden. Die Impfung wird durch eine Injektion intramuskulär üblicherweise in den Oberarm vorgenommen.

Hepatitis B

Erreger Hepatitis B - Virus (HBV, "dane" - Partikel)
Erkrankung Die Viren werden durch Blut, Blutbestandteile, Körperflüssigkeiten und sexuelle Kontakte übertragen.
Die Hepatitis B gehört zu den häufigsten Infektionskrankheiten weltweit mit ca. 300 Millionen Virusträgern! In manchen Ländern sind bis zu 30% der Bevölkerung betroffen.
Die Hepatitis zeigt in ca. 1% einen fulminanten Krankheitsverlauf mit meist tödlichem Verlauf. Bei etwa 10% aller Erkrankten wird die Hepatitis B chronisch mit möglichen bleibenden Leberschäden und Übergang in eine Leberzirrhose und Leberkrebs. Bei Kindern werden bis zu 90% aller Erkrankungen chronisch!
Impfung Die Impfung ist sehr gut verträglich.
Wann soll geimpft werden? Nach STIKO - Empehlung Kinder ab Beginn des 3. Lebensmonats und Jugendliche ab dem 13. Lebensjahr;
Risikogruppen wie medizinisches Personal, Dialyse - Patienten, bei Kontakt mit Virusträgern, bei häufiger Übertragung von Blut oder Blutbestandteilen, Neugeborene von HBsAg - positiven Müttern (d.h. Virusträgerinnen), Drogenabhängige, Personen mit häufig wechselnden Intimpartnern, Patienten in psychiatrischen Anstalten;
bei Reisen in Gebiete mit besonders hoher Durchseuchung wie bestimmte Länder Asiens, Afrikas, Mittel- und Südamerikas und auch in Osteuropas.
Wie wird geimpft? Die Grundimmunisierung besteht aus 3 Injektionen. Die ersten beiden Injektionen werden in einem Abstand von 4 Wochen durchgeführt, die dritte Injektion erfolgt nach etwa 6 Monaten. Alternativ kann ein beschleunigtes Schema mit 3 Injektionen im Abstand von jeweils 4 Wochen vorgenommen werden.
Nach 10 Jahren wird der Impfschutz überprüft und bei Notwendigkeit aufgefrischt.
Die Impfung wird durch eine Injektion intramuskulär üblicherweise in den Oberarm vorgenommen.

Tetanus

Erreger Tetanus - Bakterien
Erkrankung Der "Wundstarrkrampf" wird durch ein Nervengift verursacht, das von den  Tetanus - Bakterien abgesondert wird. Dieses Nervengift führt zu einer Atemlähmung, übrigens bei vollem Bewußtsein!
Die Sterblichkeit bei Wundstarrkrampf liegt zur Zeit immer noch bei 60%!
Jede Verletzung, auch eine kleine Schürfwunde oder ein Kratzer, kann zu einer Wundstarrkrampf - Infektion führen.
Impfung Die Tetanus - Impfung ist eine der wichtigsten Impfungen überhaupt! Sie ist gut verträglich, kann mit anderen Impfstoffen kombiniert werden und stellt für jeden eine Art "Grundsicherung" dar.
Wer soll geimpft werden? Kinder haben mit ca. 90% die höchsten Durchimpfungsraten; diese lässt mit zunehmendem Lebensalter nach. Etwa 2/3 aller Menschen über 60 sind nicht ausreichend gegen Tetanus geschützt. In allen Altersgruppen haben Frauen einen schlechteren Impfschutz im Vergleich zu Männern!
Wie wird geimpft? Eine Grundimmunisierung besteht aus 3 Injektionen, die üblicherweise in den Oberarm intramuskulär gegeben wird. Die ersten beiden Injektionen erfolgen im Abstand von 4 - 6 Wochen, die dritte Injektion wird etwa 6 Monate nach der ersten Injektion durchgeführt. Nach einer erfolgten Grundimmunisierung ist eine Auffrischung alle 10 Jahre erforderlich. Die Tetanus - Impfung wird sinnvollerweise mit der Diphterie-Impfung kombiniert (sog. Td - Impfstoff für Erwachsene). Auch die Auffrischungen sollten zusammen mit der Diphterie-Impfung erfolgen.

Röteln

Erreger Röteln - Virus
Erkrankung Die Röteln werden durch sogenannte Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen.
Nach ersten Krankheitszeichen, die einem grippalen Infekt ähneln, treten die typischen Röteln - Krankheitszeichen wie Lymphknoten - Schwellungen im Nacken und hinter den Ohren sowie meist etwas später ein rötlicher Ausschlag auf.
Bei etwa der Hälfte aller Erkrankten treten keine oder nur abgeschwächte untypische Symptome auf, so daß die Röteln in diesen Fällen nicht erkannt werden.
Bedeutsam ist die Röteln - Infektion jedoch vor allem durch die schweren kindlichen Fehlbildungen, die durch eine Röteln - Infektion während der Schwangerschaft entstehen (sog. Röteln - Embryopathie und Fetopathie). Hierbei kommt es hauptsächlich zu schweren Herzfehlbildungen, Augenschäden und Taubheit (sog. GREGGsche - Trias, benannt nach einem australischen Kinderarzt).
Impfung Die Impfung bietet einen nahezu 100%igen Schutz vor der Röteln - Erkrankung und den oben genannten Komplikationen während einer Schwangerschaft.
Ziel der Impfung ist es, die Röteln möglichst vollständig zurückzudrängen und damit auch ungeschützte schwangere Frauen zu vor einer Röteln - Infektion in der Schwangerschaft zu bewahren.
Die Impfung ist sehr gut verträglich.
Wer soll geimpft werden?
  • Alle Kinder ab dem 15. Monat
  • als Masern-, Mumps- und Röteln - Impfung;
  • Wiederimpfung bei allen Kindern ab dem 6. Lebensjahr;
  • alle Mädchen im 11. bis 15. Lebensjahr;
  • alle ungeschützten Frauen im gebärfähigen Alter!
Wie wird geimpft? Die Impfung wird durch eine Injektion intramuskulär üblicherweise in den Oberarm vorgenommen.

Impfungen in der Schwangerschaft

Eine Reihe von Impfungen sind auch in der Schwangerschaft möglich. Im Einzelfall muß natürlich immer besprochen werden, ob es sinnvoll oder nötig ist, eine Schwangere zu impfen.

Impfung gegen

möglich

vermeiden

nein

Besonderheiten

Cholera

 

X

 

 

Diphtherie

X

 

 

möglichst im 2. und 3. Trimenon

FSME

X

 

 

 

Gelbfieber

 

X

 

 

Grippe

X

 

 

 

Haemoph. infl. b

X

 

 

 

Hepatitis A

X

 

 

 

Hepatitis B

X

 

 

 

Poliomyelitis

X

 

 

Lebendimpfung nicht im letzten Trimenon

Pertussis

 

X

 

 

Masern

 

 

X

bei Masernkontakt Prophylaxe mit humanen Immunglobulinen

Meningokokken

X

 

 

 

Mumps

 

 

X

bei Mumpskontakt Prophylaxe mit humanen Immunglobulinen

Pneumokokken

X

 

 

 

Röteln

 

 

X

nach Rötelnkontakt Prophylaxe mit humanen Immunglobulin bis 7. Tag nach Exposition

Tetanus

X

 

 

Grundimmunisierung möglich Anfang 2. SS-Hälfte

Tollwut

X

 

 

 

Tuberkulose

 

 

X

 

Typhus

X

 

 

 

Varizellen

 

 

X